Warum Rihanna rockt

Von Rihanna ist man ja in letzter Zeit einiges gewohnt. Das neue Album bzw. die ausgekoppelten Singles sind bislang nicht so der Renner. Ob man ein Album wie Good Girl Gone Bad überhaupt toppen kann, sei mal dahingestellt aber man sollte es ja wenigstens versuchen. Die Sache mit der Prügelattacke vom nun Exfreund war auch nicht gerade appetitlich, die Nacktbilder, die natürlich REIN ZUFÄLLIG ins Internet gelangt sind, schon eher. Und was die Dame mit ihren derzeitigen Frisuren aussagen will, ist mir auch ein Rätsel … aber vielleicht bin ich da auch der Falsche für.

Wer aber mal zufällig auf einem Drittsender, über verschlungene Pfade oder sogar durch persönliche Teilnahme in den Genuss eines ihrer Konzerte gekommen ist, dem wird etwas aufgefallen sein. Das Mädel rockt! Bevor ich weitertexte, wir reden hier nicht über einen Vergleich mit nem Slipknot-Gig, dafür ist das immernoch Pop-Musik und die Zielgruppe unterscheidet sich ja auch etwas. Aber wenn man Playback-Zirkus-Arien a la Britney Spears (Hat jemand den Gag mit Circus verstanden?!) oder J-Lo gewohnt ist, dem wird bei einer Rihanna-Show (Das aktuelle Gesemmel hab ich noch nicht gesehen, ich beziehe mich hier auf die zugänglichen Übertragungen der 2008er Tour.) schon was anderes geboten.

Fangen wir mal mit dem Offensichtlichen an. Nach einem ungeschriebenen (vielleicht steht das sogar irgendwo) Gesetz darf keiner der Bühnenakteure hübscher sein als der Hauptkünstler. Was bei Tina Turner so ganz langsam schwierig wird, sorgt bei Rihanna für gehobene Optik. Hot-Pants, kreisende Hüften und Beine bis zum Boden wohin das Auge blickt lassen mich zwar wieder kurz über die Zielgruppe grübeln aber das vergeht beim nächsten Hüftschwung auch schon wieder.

Damit ich jetzt aber nicht als typischer „Mann“ abgestempelt werde, komme ich mal zum eigentlich innovativen Punkt. Die Band hats drauf! Die Rhythmusgruppe ist klassisch in schwarz gehalten (Weiße haben ja keinen Beat im Blut) und agiert souverän, bei der Tasten- und Saitenfraktion regiert der Punk. Schlecht lackierte Fingernägel, schräge wie bunte Frisuren, enge Jeans mit ordentlich Kettenbehang und Streifen-Shirts. Weiterhin überrascht das klassische Drums-Bass-Gitarre-Keyboard Setup. Löblicherweise wurde nicht versucht, die Songs eins zu eins vom Album nachzuspielen, sondern das Set gekonnt auf die Prämissen „Live“ und „Rock“ umgemünzt. Da hat man neben der Optik auch noch was für die Ohren. Ähnliches gilt für die Tänzer. Man hat das Gehüpfe auf gerade mal zwei Pärchen reduziert und der Einsatz von Accessoires beschränkt sich auf Schirme, Fahnen, Perücken und Stühle. Das Ganze wirkt also nicht überladen und lenkt somit auch nicht von den Songs und Rihannas Performance ab. Wobei wir bei der Frau höchstselbst wären. Die Gute macht ganz schön Betrieb. Der Gesang könnte sogar Live sein, die Publikumskommunikation passt und trotz einiger eingeübter Choreografien wirkt das alles recht frisch.

Der Live-erfahrene Rocker wird sich jetzt fragen, was an Live-Band plus „Live“-Gesang jetzt so klasse sein soll. Man muss sich eben immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Rihanna weder Alternative, Indy oder Postgrunge ist, sondern Pop mit hoher „plastic“ Gefahr. In den gängigen Videos wird ja auch deutlich, dass da durchaus ein Potential für eine auf Hochglanz polierte Übershow gegeben ist. Dass man sich also trotz dessen für ein aufs Wesentliche, nämlich vorrangig die Musik und Atmosphäre eines Live-Konzerts, reduziertes Konzept entschlossen hat, war nicht ganz ungefährlich, denn dafür muss der betreffende Künstler beweisen, dass er ne Rampensau ist.

Dafür gibt’s meinen Respekt und den Traum, bei so ner Show auch mal den Gitarrenposten zu übernehmen.

Ich üb dann schon mal „… um-be-rella ella ella eh eh eh …“


Und damit man die Band auch nochmal ohne wilde Kamerafahrten sieht, hier noch was von der Letterman-Show. Man beachte das rhythmische Kopfgenicke und die RocknRoll Breitbeinstellung!